Herrentag Begleitmaterial
say their names
farid boukhit
-
Farid Boukhit war ein etwa 30-jähriger Algerier, der in Magdeburg lebte. Er wurde Opfer eines brutalen, rassistischen Übergriffs am 12. Mai 1994 („Himmelfahrtskrawalle“, auch als Hetzjagd auf Migrant*innen in der Innenstadt bekannt). Rechte Jugendliche / Neonazis griffen ihn mit Baseballschlägern an. Er wurde schwer verletzt und verstarb im September desselben Jahres.
-
Farid Boukhit starb am 27. September 1994. Es bestehen Unklarheiten und Streit, ob sein Tod tatsächlich auf die Verletzungen durch den Überfall zurückzuführen ist. Die Staatsanwaltschaft schloss einen Zusammenhang ursprünglich aus und führte an, er sei an einer Alkoholvergiftung gestorben. Es wurde keine Obduktion in Deutschland durchgeführt; der Leichnam wurde nach Algerien überführt, wo Boukhit beigesetzt wurde.
Die Polizei ermittelte zunächst in verschiedene Richtungen, hielt auch ein Raubdelikt oder einen Streit unter Linken für möglich. Nach Hinweisen aus Skinheadkreisen wurde elf Tage später der gleichaltrige Marcus J. als Täter ermittelt. Er gab an, sich von Böttchers äußerem Erscheinungsbild „provoziert gefühlt“ zu haben. Marcus J., der während der Tat stark alkoholisiert war, wurde wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren verurteilt. Weitere Mittäter wurden nicht ermittelt.
Die Tat wurde in der offiziellen Kriminalstatistik nicht als „rechtsextremes Tötungsdelikt“ geführt. Begründet wurde dies damit, dass der Täter keiner rechtsextremen Organisation angehörte und die Motivation nicht unter die bundeseinheitlichen Richtlinien für rechtsextreme Gewalt fiel.
-
Der Fall Boukhit steht symbolisch für die sogenannten Magdeburger Himmelfahrtskrawalle am 12. Mai 1994, bei denen Migrant*innen über Stunden durch die Innenstadt gejagt wurden. Farid Boukhit ist bis heute nicht offiziell als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt, trotz erheblichen öffentlichen Protests und Forderungen zivilgesellschaftlicher Gruppen. Es gibt jährliche Gedenkveranstaltungen in Magdeburg (z. B. am Hasselbachplatz) und Bestrebungen von Initiativen, das Gedenken stärker ins Bewusstsein zu rücken.
-